Anfrage gemäß § 54 GO d LT – Bildung gestalten statt verwalten – Vorarlbergs Schullandschaft eigenverantwortlich gestalten, Spielräume nutzen

LAbg Silvia Benzer

Herrn Landesrat Mag Siegmund Stemer, Landhaus, 6900 Bregenz

Betrifft: Anfrage gemäß § 54 GO d LT – Bildung gestalten statt verwalten – Vorarlbergs Schullandschaft eigenverantwortlich gestalten, Spielräume nutzen

Sehr geehrter Herr Landesrat!

Die Bildungslandschaft Vorarlberg steht in engem Zusammenhang mit der Bildungslandschaft Österreich. So wie diese derzeit aussieht, kann und soll es nicht weitergehen.

Bildung ist aber nicht nur Schule oder Kindererziehung, sondern auch die konkrete Auseinandersetzung mit Fragestellungen mit dem, was sich im Land widerspiegelt.

Unterschiedlichste Studien belegen, dass wir uns nicht auf den vorderen Rängen befinden und zeigen deutliche Handlungsfelder auf. Schlechte Ergebnisse im Bereich des sinnerfassenden Lesens, in Naturwissenschaften, nur geringe bis keine Abflachung der sozialen Unterschiede, sind nur einige der Nachholbereiche, denen wir uns zu widmen haben.

Längst bekannte Probleme warten nach wie vor auf Lösungen. Vor diesem Hintergrund ist der Ansatz „eigenverantwortlich gestalten“ zu wollen ein guter und wichtiger und vor allem ein mehr als dringend notwendiger. Denn Wissen und Bildung sind zum Rohstoff der Zukunft geworden und wir haben die Pflicht, dem Talentpool des eigenen Landes die Schule der Zukunft zu bauen, die eigenen Spielräume auszuschöpfen und zu gestalten.

Mit „bitte warten“ ist der Bildungs- und Schullandschaft in Vorarlberg und somit allen Beteiligten – den Kindern und Jugendlichen, den Eltern, den Pädagogen und den unterschiedlichsten Bildungsinstitutionen – nicht geholfen. Immer schon war Mut als einer der Erfolgsfaktoren für einschneidende Reformen und Entwicklungen notwendig.

Ich erlaube mir deshalb an Sie, als ressortzuständiges Regierungsmitglied, nachstehende

ANFRAGE

zu richten:

1. Warum werden von Ihnen die bereitgestellten Mittel für Nachhilfestunden nicht für zusätzliche Förderstunden in den Schulen eingesetzt?

2. Welche Gestaltungsvorschläge haben Sie, um Nachhilfe – immerhin zahlen laut einer im Auftrag der Arbeiterkammer erstellten Studie die Eltern österreichweit jährlich 126 Millionen Euro dafür – eines Tages überflüssig werden zu lassen?

3. Welche Schritte haben Sie unternommen, um einer Neuordnung der Ferienzeit in sogenannte Unterrichtsblöcke zum Durchbruch zu verhelfen? Werden Sie sich erneut dafür einsetzen und wenn ja, in welcher Form?

4. Wie viele Lehrpersonen werden in den nächsten 5 Jahren benötigt? Bitte um Angabe aufgelistet nach Schularten.

5. Finden Sie den Weg der zusätzlichen Mehrdienstleistungen, des späteren Pensionsantrittes und einer restriktiven Vorgangsweise bei Karenzierungen einen erfolgreichen bzw. liegen nicht enorme Versäumnisse vor, da der Bedarf an Lehrpersonen längst hätte erkannt und reagiert werden müssen?

6. Wie schaut die Situation im Bereich der Sonderschulpädagogen aus? Ist für genügend Nachwuchs gesorgt und kann der Bedarf der nächsten Jahre abgedeckt werden?

7. Wie schaut das Angebot der PH Feldkirch in diesem Bereich aus? Bitte um Auflistung der Anzahl der Studierenden sowohl berufsbegleitend als auch im Hauptstudium.

8. Welche Ausbildungsangebote gibt es im Land für die Funktion des Beratungslehrers und wann finden diese Ausbildungen statt?

9. Wie stehen Sie zu einem Bildungstag in Zusammenarbeit mit der Pädagogischen Hochschule, um das Thema „Wie modern ist die Lehrerausbildung“ mit Betroffenen zu erörtern – nach dem Motto „Aus der Praxis für die Praxis“?

10. Was unternehmen Sie, um dem sich auch an Vorarlbergs Gymnasien abzeichnenden Lehrermangel zu begegnen bzw diesen abzufedern?

11. Was werden Sie unternehmen, damit es nicht wieder vorkommt, dass die Funktion eines Landesschulinspektors oder auch eines Bezirksschulinspektors über mehrere Monate unbesetzt ist bzw die anfallende Arbeit von anderen Inspektoren über so lange Zeiträume wie im Fall der Bestellung des neuen Landesschulinspektors erledigt werden muss?

12. Sind Sie bereit, sich für neue Objektivierungsverfahren stark zu machen um ähnliche Situationen wie im Fall der letzten Bestellung des LSI zu verhindern?

13. Stehen Sie nach wie vor zum Antrag des Vorarlberger Landtages, der darauf abzielt, die Anstellung für alle Lehrer in Länderhände zu geben und wie werden Sie die Umsetzung des Antrags weiter vorantreiben?

14. Mit welchen konkreten Maßnahmen soll Ihrer Meinung nach die Zielsetzung „Eltern in die Verantwortung einzubinden, ihnen aber auch zu helfen“ im Pflichtschulbereich umgesetzt werden?

15. Was werden Sie unternehmen, um die unbefriedigende Situation der frühen Schullaufbahnentscheidung mit 9 ½ Jahren für alle Beteiligten – sprich Schüler, Eltern, Lehrer – zu entschärfen?

16. Welches ist für Sie das Ziel des Schulversuches der Vorarlberger Mittelschule?

17. An welchen Vorarlberger Mittelschulen findet seit Einführung des Schulversuches dieses Schultyps jahrgangsübergreifender Unterricht statt?

18. Wie stehen Sie zu mehr Autonomie der Schulstandorte und einer damit verbundenen Stärkung der Funktion von Schulleitern? In welchen Bereichen würden Sie dies unterstützen?

19. Verstehen Sie unter Gestaltungsspielräume auch die Möglichkeit, innovative Projekte in Kindergärten zur Erlangung der Schulreife als Pilotprojekte zu unterstützen und zu fördern?

20. Welche weiteren Gestaltungsspielräume werden Sie im Sinne der Vorarlberger Bildungslandschaft nutzen?

Für die fristgerechte Beantwortung meiner Anfrage bedanke ich mich im Voraus und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

LAbg Silvia Benzer FPÖ-Bildungssprecherin