„Erlernen der deutschen Sprache ist Pflicht!“ Bringschuld oder Holschuld?!?

1. FPÖ-Position

 Von uns werden im Rahmen der Integration die Handlungsfelder Sprache und Bildung als Schlüsselfaktoren definiert (Sprachinitiative „mehr.Sprache“ des Landes Vorarlberg).

 Integrationsvereinbarungen fördern, aber auch einfordern.

 Verbindliche Sprachstandsfeststellungen und verbindliche Sprachförderung.

 Eltern müssen einerseits in der Aufgabe des Spracherwerbs ihrer Kinder unterstützt und andererseits zur Kooperation verpflichtet werden.

 Jedes Kind muss bei Schuleintritt die Unterrichtssprache Deutsch so gut beherrschen, dass es dem Unterricht folgen kann und der Unterricht durch Sprachdefizite nicht behindert wird.

 Defizite im Spracherwerb sollen bereits vor der Grundschule behoben werden.

 Jedes Kind, das einschult, muss die deutsche Sprache beherrschen.

 Bei Weigerung bzw. Nichterfüllen des Kooperationsvertrages muss es Konsequenzen für die Eltern geben.

2. Status Quo

a) Fakten und Zahlen

• Fast jedes vierte Fünfjährige Kind im Kindergarten in Österreich kann so schlecht Deutsch, dass auch in der Schule mit gröberen Problemen gerechnet werden muss. Probleme gibt es vor allem bei Kindern mit Migrationshintergrund.

• Ergebnisse des Bundesinstitutes für Bildungsforschung (BIFIE) zum Thema „frühkindliche Sprachstandsfeststellung“ zeigen, dass „nur“ 10 % der Kinder mit deutscher Muttersprache Förderbedarf und 59 % der Kinder mit Migrationshintergrund einen Förderbedarf aufweisen.

• Auswertungen der Daten durch den „aks“ für das Kindergartenjahr 2008/2009 in Vorarlberg zeigen, dass 1,6 % der Kinder mit Deutsch als Muttersprache starke Auffälligkeiten und 4,7 % Auffälligkeiten in der Sprachentwicklung vorweisen.

• Bei Kindern mit nichtdeutscher Muttersprache sind es 25,5 %, die eine starke Auffälligkeit aufweisen und 26,3% weisen Auffälligkeiten in ihrer Sprachentwicklung auf.

b) bereits bestehende Angebote

• Einstellung zusätzlicher Fachkräfte für Frühsprachförderung im Kindergartenjahr 09/10:

84 Personen landesweit laut Anfragebeantwortung durch LR Stemer

• Einrichtung von Lehrgängen wie „Wörter wie Honig – Elternbildung für den frühen Spracherwerb“

• Einrichtung von Kompetenztrainings für Kindergarten- und VS-Pädagogen

• Ausbau der Brückenbauerinnen

• „Mehr.Sprache“ als Programmschiene des Landes in Zusammenarbeit mit dem Verein „okay.zusammenleben“ => freiheitliche Initiative

3. Was fehlt noch?

• Verankerung im neuen Kindergartengesetz:

 Die geplante Novelle des Kindergartengesetzes soll dahingehend ausgeweitet werden, dass neben der verbindlichen Sprachstandsfeststellung auch die allenfalls daraus resultierende erforderliche vorschulische Sprachförderung und die damit verbundene notwendige Elternarbeit ebenfalls verbindlich darin festgeschrieben sind.

 Es wird nur die Verweigerung der Eltern, einen Vertrag mit dem Kindergarten abzuschließen, sanktioniert.

 Es ist aber insbesondere die Einhaltung der Vereinbarung einzufordern und bei Nichterfüllung zu sanktionieren.

 Vom Verordnungsstatus in den Gesetzesstatus zu erheben

 Ansonsten ist es ein rechtskonformes Verhalten, wenn der Vertrag zwar unterschrieben wird, die Vereinbarungen aber nicht eingehalten werden.

 Der ÖVP fehlt der Mut, dies ins Gesetz zu schreiben!

 Aufforderung zur Korrektur

 Ein Überdenken des Kindergarten-Personalschlüssels wird ebenfalls notwendig sein.

• Möglichkeiten schaffen, den verpflichtenden Vorschulbesuch auszusprechen, wenn nicht ausreichende Sprachkenntnisse vorhanden sind

• Neudefinition der Schulreife – nicht nur soziale, emotionale, kognitive, sprachliche und motorische Kompetenzen

• Vorschulklassen mit sprachlichem Schwerpunkt

• Kindergarten muss in der Lage sein, die Schulreife zu sichern

• Mittel für Sprachförderung, die das BMUKK zur Verfügung stellt, sind nicht ausgeschöpft worden.

• Neudefinition der Schulreife (ausreichende Sprachkenntnisse, um dem Unterricht folgen zu können)

• Verankerung im Mutter-Kind-Pass

Unser Weg stand von Anfang an unter dem Motto „Fördern und Fordern“. Wir wollen nicht, dass es eine Gruppe gibt, die voll integriert ist und eine Gruppe, die den Anschluss verpasst, egal welche Angebote der Staat macht. Unser Ziel ist es nach wie vor, kein Kind zu verlieren.

Daher braucht es die stärkere Miteinbindung der Eltern und vor allem deren verbindliche Mitwirkung, dass ihre Kinder die deutsche Sprache vor Schuleintritt beherrschen.

Wir stellen bereits ein breites Spektrum an Förderangeboten zur Verfügung. Wir brauchen aber auch ein echtes Einfordern mit Konsequenzen bei Nichteinhaltung der Integration. Das sind für mich die beiden Meridiane in der Frühsprachförderung.

Welchen Weg die Eltern wählen, entscheiden sie selbst. Das Bildungssystem kann Defizite nicht allein ausgleichen, es kann nur mit Begleitprogrammen, in denen Eltern einen Hauptpart einnehmen, erfolgreich sein.

Schule und Kindergarten können noch so viel fördern, wenn die Eltern nicht mitspielen, ist der Weg zu beschwerlich für alle Beteiligten.

Für mich ist die Sprache der wichtigste Weg, um soziale Defizite abzubauen und Integration weiter auszubauen. Daher ist Bildungspolitik auch als Sozialpolitik zu verstehen, die schlussendlich in Integrationspolitik mündet. Geht es doch um Zukunftsperspektiven jedes einzelnen Kindes.