Redekonzept LAbg Silvia Benzer/offener Brief an Ministerin Schmied, Aktuelle Stunde 10. Juni 2009

In der Erklärung zur aktuellen Stunde schreiben Sie:
„Das Schuljahr neigt sich langsam dem Ende zu. Damit verbunden sind zahlreiche „letzte Möglichkeiten” den Notenschnitt zu verbessern. Oder aber es ist bereits so weit, dass der „Nachzipf” ins Haus steht. Oft bedienen sich die Eltern deshalb der Nachhilfe. Und müssen dafür kräftig in die eigenen Geldbörsen greifen.”Könnte übersetzt aber auch bedeuten:

„Die Landtagsperiode neigt sich langsam dem Ende zu. Damit verbunden sind zahlreiche „letzte Möglichkeiten” der SPÖ ihr Image zu verbessern. Oder aber es ist bereits so weit, dass der SPÖ der „Nachzipf” ins Haus steht. Oft bedient sich die SPÖ deshalb der Nachhilfe und muss dabei kräftig in die eigene Trickkiste greifen.”

Sie haben einmal mehr ein Thema gewählt, bei dem der Bund versagt hat, bei dem die Bildungspolitik von SPÖ und ÖVP über weite Strecken versagt hat.
Ein Thema bei dem ein Reformstau herrscht, für den genau Ihre Frau Ministerin Schmied die Verantwortung trägt. Auch wenn dazugesagt werden muss, dass ihr ihre Vorgängerin, Ministerin Gehrer, wahrlich kein leichtes Erbe überlassen hat!

Sie haben ein Thema gewählt, bei dem genau ihre Ministerin versagt hat und wollen nun, dass das Land für dieses Versagen wiederum einspringt und zahlt.

In vielen anderen Unternehmen herrscht die Philosophie, dass sie sich von der Krise nicht lähmen lassen und alles tun, um aus ihr eine Chance zu machen.

Nicht nur als Chance, verkrustete Strukturen endlich aufzulösen, Verwaltung zu straffen und überholte Organisationsmethoden aufzugeben, sondern auch als Chance, Neues zu erfinden.

Es hat wirklich weit herunter geschneit, wenn eine Ministerin ein Sparpaket als Reformpaket verkauft!

Wichtig wäre, für eine Veränderung im Schulsystem einzutreten, denn das System ist krank. Wir, damit meine ich die Kinder und Jugendlichen, deren Familien, die Pädagogen und schlussendlich die gesamte Gesellschaft brauchen ein Bildungsrettungspaket, ein Paket in dem der Begriff Nachhilfe keine Bedeutung mehr hat.

Wir brauchen ein System, bei dem kein Kind auf der Strecke bleibt, ein System, das auf die Bedürfnisse der Kinder reagieren kann, ein System auf das man sich verlassen kann.

Wenn Nachhilfe gebraucht wird, dann stimmt etwas nicht. Die Gründe sind sehr vielfältig, sie haben ihren Ursprung bei der Schulwahl, bei der Pädagogik aber auch in der Ausbildung der Pädagogen.
Was wir brauchen ist ein Bildungsrettungspaket!

Inhalte dieses Pakets müssen sein:

• Eine neue Ausbildung der Pädagogen (Aufnahmen, Praxis, Module, universitäres Niveau)
• Neues Dienst- und Gehaltsrecht
• Statt aufgeblähter Verwaltung mehr Ressourcen in die Klassen
• Schulautonomie am Standort um Ganztagsschulen anbieten zu können
• Brauchbare Modelle um Jahrgangsübergreifenden Unterricht stattfinden lassen zu können

Das sind die Inhalte, die sie nach Wien zu ihrer Ministerin transportieren sollten.
Damit diese Punke auch wirklich in Wien ankommen und ich mir sicher sein kann, dass sie dies auch tun, habe ich mein Anliegen schon mal für sie vorformuliert und darf es Ihnen im Anschluss auch als offenen Brief überreichen.

Vielleicht gibt es nochmals eine Zukunftskommission, die wieder Schulpakete produziert, die wieder Schritt für Schritt abgearbeitet werden sollen und die wiederum so unspektakulär sind, dass sie kaum wahrnehmbar sind. Ich hoffe es nicht!

Für mich als Pädagogin aus Leidenschaft gilt, dass ich nur jene Bildungs- und Schulpolitik als echte Bildungs- und Schulpolitik bezeichnen kann, die eine Systemveränderung bringt. Alles andere ist Stillstand!

In diesem Sinne haben sie die falsche Überschrift für ein äußerst wichtiges Thema gewählt, für ein Thema bei dem der Bund versagt hat und das Land nun wieder einspringen soll.

 

Offener Brief an Ministerin Schmied:

 

MUT ZUR BILDUNGSREFORM – Probleme ‚an der Wurzel packen’

 Sehr geehrte Frau Bundesminister!

Ihr Parteikollege, SPÖ-Landesvorsitzender Michael Ritsch, hat für die heutige Landtagssitzung das Thema „Kostenloser Nachhilfeunterricht statt teurer Werbung für ‚Kinder in die Mitte’” zum Thema der Aktuellen Stunde gewählt. Offensichtlich wird also auch in Ihren eigenen Reihen inzwischen eingesehen, dass die versprochene Reform des Bildungswesens nach wie vor einer Erledigung harrt. In dieser Ansicht kann ich die Vorarlberger Sozialdemokraten voll und ganz unterstützen.

Allerdings zu glauben, dass dringend notwendige Reformen im Schulbereich einzig und allein durch das Anbieten von kostenlosem Nachhilfeunterricht gelöst werden könnten, hieße, das Problem zu verwalten, anstatt endlich einer nachhaltigen Lösung zuzuführen.

Als Bildungssprecherin der Freiheitlichen Fraktion im Vorarlberger Landtag, erlaube ich mir daher, erneut den dringenden Appell an Sie zu richten, die versprochene Bildungsreform endlich anzugehen und das Problem ‚an der Wurzel’ zu packen.

Eckpunkte einer Bildungsreform, die den Anforderungen einer Schule der Zukunft gerecht werden, müssen sein:

• Eine Reform der Lehreraus- und -fortbildung
• Ein neues Dienst- und Gehaltsrecht mit leistungsbezogenen Komponenten
• Mehr Ressourcen in die Klassen statt teurer Verwaltung und Bürokratie
• Eine Föderalisierung statt Zentralisierung der Bildungspolitik
• Mehr Autonomie für die einzelnen Schulen

In der Hoffnung auf Ihre Unterstützung verbleibe ich

mit freundlichen Grüßen
LAbg Silvia Benzer
FPÖ-Bildungssprecherin